Der Muttertag ist ein Feiertag zu Ehren der Mutter und der
Mutterschaft. Er hat sich seit dem 20. Jahrhundert in der westlichen
Welt etabliert. Im deutschsprachigen Raum und vielen anderen Ländern
findet er am zweiten Sonntag im Mai statt.
Der Muttertag hat
seinen Ursprung in der englischen und amerikanischen Frauenbewegung.
Die Amerikanerin Ann Maria Reeves Jarvis versuchte 1865 eine
Mütterbewegung namens Mothers Friendships Day zu gründen. An
von ihr organisierten Mothers Day Meetings konnten Mütter
sich zu aktuellen Fragen austauschen. 1870 wurde von Julia Ward Howe
eine Mütter-Friedenstag-Initiative unter dem Schlagwort peace and
motherhood gestartet. Sie hatte das Ziel, dass die Söhne nicht
mehr in Kriegen geopfert werden sollen.
Als Begründerin
des heutigen Muttertags gilt jedoch die Methodistin Anna Marie
Jarvis. Sie führte in Grafton am 12. Mai 1907, dem Sonntag nach dem
zweiten Todestag ihrer Mutter Ann Maria Reeves
Jarvis, ein
Memorial Mothers Day Meeting durch. Im folgenden Jahr wurde auf
ihr Drängen hin wiederum am zweiten Maisonntag in der
Methodistenkirche in Grafton allen Müttern eine Andacht
gewidmet. 500 weiße Nelken ließ sie zum Ausdruck ihrer Liebe zu
ihrer verstorbenen Mutter vor der örtlichen Kirche an andere Mütter
austeilen.
Sie widmete sich nun hauptberuflich dem Ziel, einen offiziellen
Muttertag zu schaffen, und startete eine Initiative für die
Einführung eines offiziellen Feiertags zu Ehren der Mütter, indem
sie Briefe an Politiker, Geschäftsleute, Geistliche und
Frauenvereine schrieb. Die Bewegung wuchs sehr rasch an. Bereits
1909 wurde der Muttertag in 45 Staaten der USA gefeiert. 1912
führten ihn die Methodisten in West Virginia ein. Am 8. Mai 1914
erließ der US-Kongress die Joint Resolution Designating the
Second Sunday in May as Mother's Day: Als Zeichen der Liebe und
Verehrung der Mütter solle der 2. Sonntag im Mai als Muttertag
gefeiert werden. Der Präsident der Vereinigten Staaten solle an
diesem Tag die öffentlichen Gebäude beflaggen lassen; diesem Willen
des Kongresses hat Woodrow Wilson noch im gleichen Jahr Folge
geleistet. So wurde der Muttertag 1914 zum ersten Mal als nationaler
Feiertag begangen.
Mit steigender Verbreitung und Kommerzialisierung des Muttertags
wandte sich die Begründerin des Feiertages von der Bewegung ab,
bereute, diesen ins Leben gerufen zu haben, und kämpfte erfolglos
für die Abschaffung des Feiertages.
Die Bewegung blieb nicht auf die Vereinigten Staaten beschränkt.
Schon 1912 wurde eine Mother's Day International Association
gegründet mit dem Ziel, den Muttertag auch international zu
verbreiten. Nachdem England den mothering day übernommen
hatte, verbreitete sich der Feiertag 1917 in der Schweiz, 1918 in
Finnland und Norwegen, 1919 in Schweden, ab 1923 in Deutschland und
1924 in Österreich.
In Deutschland wurde der Muttertag 1922/23 durch den Verband
Deutscher Blumengeschäftsinhaber mit Plakaten „Ehret die Mutter“ in
den Schaufenstern etabliert und – betont unpolitisch – als Tag der
Blumenwünsche gefeiert. Mit Plakaten in Schaufenstern, kleineren
Werbekampagnen und Veranstaltungen bis hin zu Muttertagspoesie wurde
dem ersten deutschen Muttertag am 13. Mai 1923 durch den
Vorsitzenden des Verbandes, Rudolf Knauer, der Weg bereitet. Ab 1926
wurde die Propagierung des Muttertages an die Arbeitsgemeinschaft
für Volksgesundung übertragen, um „Kirche und Schule zu gewinnen und
die Regierung dahin zu bringen, den Muttertag am zweiten Sonntag im
Mai als offiziellen Feiertag festzulegen“.
Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Feier des
Muttertags mit der Idee der "germanischen Herrenrasse" verknüpft.
Gebärfreudige Mütter wurden als Heldinnen am Volk zelebriert, da sie
den arischen Nachwuchs förderten. 1933 wurde der Muttertag ein
offizieller Feiertag und erstmals am 3. Maisonntag 1934 als „Gedenk-
und Ehrentag der deutschen Mütter“ mit der Einführung des
Mütterdienstes begangen. Die religiös anmutenden Feierlichkeiten
(„Mütterweihen“) wurden in Konkurrenz zu christlichen Feiern auf
sonntags um 10 Uhr angesetzt. 1938 wurde zusätzlich das Ehrenkreuz
der Deutschen Mutter eingeführt, das am Muttertag am 21. Mai
1939 erstmals verliehen wurde.
In der Bundesrepublik Deutschland wurde der Muttertag 1949 zum am
zweiten Maisonntag begangenen nicht-gesetzlichen Feiertag und hat
hinsichtlich des Blumenverkaufs eine Sonderstellung. So dürfen
Blumenläden an diesem Tag in aller Regel geöffnet bleiben. In
Baden-Württemberg gilt dies jedoch nicht, wenn der Muttertag auf
einen gesetzlichen Feiertag fällt, wie z. B. im Jahr 2008 auf
Pfingstsonntag.
Der Muttertag ist nicht gesetzlich verankert, vielmehr basiert
dessen Datum auf Übereinkünften von Wirtschaftsverbänden. Die
Floristenverbände haben den zweiten Sonntag im Mai als Muttertag
festgelegt, was dazu führt, dass Pfingstsonntag und Muttertag auf
denselben Tag fallen, wenn Ostern spätestens am 26. März gefeiert
wird. Zuletzt traf das für die Jahre 1978, 1989 und 2008 zu. Da
einige Ländergesetze die Ladenöffnung am Pfingstsonntag untersagen,
darf – so beschloss es der deutsche Einzelhandel 1949 – in solchen
Fällen ein Ersatztermin gesucht werden. Im Jahre 2007 entbrannte
deswegen eine Diskussion zwischen deutschem Einzelhandel und
Kalenderverlagen. Die Diskussion endete nach längerem Hin und Her
damit, dass der Muttertag 2008 ganz regulär am zweiten Maisonntag,
also dem Pfingstsonntag stattfand. Die Entscheidung kam für einige
Kalenderverlage jedoch zu spät, sodass viele Kalender für das Jahr
2008 den Muttertag fälschlicherweise am 4. Mai eingetragen hatten.
Auszug aus Wikipedia